Adelbert von Chamisso

Peter Schlemiel’s Schicksale mitgetheilt von Adelbert von Chamisso

Faksimile-Ausgabe der Handschrift, mit einer diplomatischen Transkription von Katrin Dennerlein

Im Jahr 2013 jährte sich zum 200. Mal das Datum, an dem „Peter Schlemiel’s Schicksale mitgetheilt von Adelbert von Chamisso” geschrieben wurde. Es ist eine geheimnisvolle, fast sonderbare Geschichte, die der deutsch-französische Dichter und Naturforscher Adelbert von Chamisso (geboren am 30. Januar 1781 in Sivry-Ante, gestorben am 21. August 1838 in Berlin), im Sommer 1813 in der Bibliothek auf Schloss Kunersdorf schrieb.

Lichtenstein, der ehemalige Direktor des Botanischen Gartens zu Berlin, vermittelte den Aufenthalt Chamissos in die vollkommene Abgeschiedenheit auf dem Lande, auf das Gut des Ehepaares Peter Ludwig (1769–1803) und Henriette Charlotte von Itzenplitz (1772–1848). Während seines Aufenthaltes legte Chamisso ein Herbarium sowie ein Verzeichnis der Oderbruchpflanzen und aller kultivierten Pflanzen im Park an. Aus Muße und Langeweile schrieb er die Märchennovelle „Peter Schlemiel’s wundersame Geschichte” die für die Kinder seines Freundes und Verlegers Julius Eduard Hitzig (1780–1849), bestimmt war.

Aus früher datierten Briefen an Fouqué und Hitzig ist deutlich zu erkennen, dass Befindlichkeiten, Erlebnisse, Empfindungen des Autors als Leitmotive für den Inhalt der Novelle verwendet wurden. So verliert Chamisso auf einer Reise sein ganzes Hab und Gut. Fouqué fragte hingegen: „Ob er auch seinen Schatten verloren hätte?“ Der Begriff Schatten wird also als Metapher eingesetzt.

So heißt es: „Topp! Der Handel gilt, für den Beutel haben Sie meinen Schatten.” Schlemihl verkauft dem Teufel seinen Schatten. Im Gegenzug erhält er ein Säckel voller Goldthaler, der sich nie leert. Doch der nun schattenlose Peter verkauft damit seine Seele und sein Leben gestaltet sich anders als erwartet.

Der Inhalt dieser Geschichte weist deutlich autobiographische Züge auf. Sie ist nicht nur ein bloßes Spiel mit der Fantasie.

Näher kommt man dem wirklichen Sinn dieser Novelle, wenn man die Briefe von Fouqué an Hitzig liest, in denen es heißt: „Es trügt mich alles, oder in unserm Deutschland schlagen die Herzen viel, die den armen Schlemiel zu verstehen fähig sind und wert.“ Deutlich weist er auf Konflikte zwischen der ständig steigenden Armut und dem wachsenden Reichtum in der Gesellschaft hin, die natürlich auch in Chamissos armseligen Leben eine Rolle spielt.

Bereits ein Jahr nach dem Aufenthalt in Kunersdorf erschien zur Herbstmesse 1814, von Fouqué im Verlag Johann Leonard Scharg in Nürnberg herausgegeben, Peter Schlemiel’s Schicksale, als gedrucktes Buch. Schlagartig wurde diese Novelle weltberühmt, sie gilt als das bedeutendste Werk Chamissos und gehört heute zur Weltliteratur.

Die Novelle erschien inzwischen in über 400 unterschiedlichen Werkausgaben, in vielen Verlagen über den Zeitraum von 200 Jahren. Sie ist in zahlreichen Übersetzungen, u. a. in böhmischer, dänischer, englischer, französischer, spanischer, italienischer, holländischer, isländischer, russischer, polnischer, schwedischer und norwegischer Sprache verlegt worden.

Im Jahr 1919 erschien im Berliner Verlag „Martin Breslauer“, die so genannte Bibliotheka Schlemihliana. Sie ist ein bibliografisches Verzeichnis, in dem Philipp Rath alle bis dahin erschienenen Schlemiel-Werk-Ausgaben, Übersetzungen und die unterschiedlichen Illustratoren verzeichnet hat. Die Erstausgabe der Novelle wurde mit einem Kupferstich von Franz Leopold gestaltet.

Heute befindet sich eine der wenigen Originalausgaben in der Sammlung des Chamisso-Literaturhauses im Kunersdorfer Musenhof.

188 Seiten
Herausgeber: Chamisso-Gesellschaft e. V., 20 x 24,5 cm, Hardcover
ISBN 978-3-933603-50-0
24,90 €

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