Auszug aus der Rezension zu Roland Lampes Buch »Eines Morgens ist alles fort – Joachim Ringelnatz in Sommerfeld« von Jürgen Hauschke, erschienen in Das Blättchen – Zweiwochenschrift für Politik, Kunst und Wirtschaft, Ausgabe 1/2026

 

Die letzten Wochen von Kuttel Daddeldu

 

Roland Lampe hat in den vergangenen Jahren diverse Bücher – insbesondere im findling verlag – veröffentlicht, in denen er den Spuren bekannter Schriftsteller in Brandenburg folgte. […] Die schön gestalteten Bücher dieses Verlages entstammen zwar der Brandenburger Provinz, sind aber alles andere als provinziell. […]

Joachim Ringelnatz gilt manchen bis heute als Inbegriff des anarchischen Humors, des scheinbar Leichten, des grotesken Spiels mit Sprache und Lebensformen. Roland Lampe unternimmt in seinem Buch den verdienstvollen Versuch, diesen Blick zu erden – geografisch wie biografisch. Er richtet den Fokus auf Ringelnatz‘ Beziehungen zu Freunden und seiner Frau und zeigt, dass hinter dem vielzitierten Spaßmacher ein zutiefst widersprüchlicher, verletzlicher und oft heimatloser Mensch steckte. 
Lampe folgt dabei keinem klassischen biografischen Erzählschema. Vielmehr nähert er sich Ringelnatz über Orte, Aufenthalte, Begegnungen und Texte, die nicht nur in Brandenburg verankert sind oder von dort aus Impulse erhielten. Diese Methode erlaubt es, Bekanntes neu zu betrachten und scheinbar Nebensächliches aufzuwerten. 
Besonders überzeugend ist Lampes Fähigkeit, historische Genauigkeit mit erzählerischer Leichtigkeit zu verbinden. Zitate aus Briefen, Gedichten und zeitgenössischen Quellen werden nicht ausgestellt, sondern sinnvoll in den Text eingebettet. So entsteht das lebendige Bild eines Autors, der sich nie ganz festlegen ließ – weder politisch noch ästhetisch –, der aber stets empfindsam auf seine Umwelt reagierte. 
Dabei verschweigt Lampe die dunkleren Seiten nicht: Armut, Krankheit, gesellschaftliche Ausgrenzung und die zunehmende Bedrängnis durch den Nationalsozialismus werden nüchtern, aber eindringlich dargestellt. Gerade in der Gegenüberstellung von Ringelnatz‘ spielerischer Sprache und seiner existenziellen Bedrohung gewinnt das Buch an Tiefe. Der Humor erscheint nicht mehr als bloße Pose, sondern als Überlebensstrategie. 
Stilistisch bleibt Lampe dem Anspruch treu, zugänglich zu schreiben, ohne zu vereinfachen. Sein Ton ist kenntnisreich, aber unprätentiös; man merkt dem Autor die langjährige Beschäftigung mit Literatur- und Regionalgeschichte an, ohne dass dies je belehrend wirkt. Das Buch lässt sich sowohl als literarischer Streifzug wie auch als Einladung zu eigenen Entdeckungen lesen. 

Fazit: Roland Lampes Buch über Joachim Ringelnatz ist mehr als eine regionale Ergänzung zur bekannten Biografie. Es ist ein präzises, empathisches Porträt, das den Dichter aus der Klischeehaftigkeit befreit und ihn in seiner historischen und menschlichen Komplexität zeigt. Ein Gewinn für Ringelnatz-Kenner ebenso wie für Leserinnen und Leser, die ihn jenseits der bekannten Zitate neu entdecken möchten.

Roland Lampe
Eines Morgens ist alles fort – Joachim Ringelnatz in Sommerfeld

1. Auflage 2025

156 Seiten, Format 14 x 21 cm
Broschur mit Klappen
mit 65 Abbildungen
ISBN: 978-3-933603-87-6
Preis: 20,00 Euro

Erhältlich im Buchhandel oder im Onlineshop: klick!

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